Energiegemeinschaften: Gemeinsam Strom teilen in Wien, NÖ und Burgenland

Warum sich der Zusammenschluss für PV-Anlagenbesitzer und Unternehmen lohnt – und wie Sie dabei werden.

Sie haben eine Photovoltaikanlage auf dem Dach? Vielleicht sogar einen Speicher im Keller? Und Sie fragen sich, was Sie mit dem Überschussstrom im Sommer anfangen sollen – oder wie Sie im Winter günstiger an Strom kommen?

Die Antwort könnte lauten: Werden Sie Teil einer Energiegemeinschaft.

Seit 2021 ermöglicht das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) in Österreich, dass Nachbar:innen, Unternehmen und Gemeinden gemeinsam Strom erzeugen, speichern und teilen. Das Ergebnis: günstigere Preise, mehr Unabhängigkeit und ein echter Beitrag zur Energiewende – lokal und direkt.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Energiegemeinschaften funktionieren, welche Vorteile sie für Familien und Betriebe bringen und wo Sie in Wien, Niederösterreich und Burgenland bereits aktiv werden können.

Was ist eine Energiegemeinschaft eigentlich?

Eine Energiegemeinschaft ist ein Zusammenschluss von Personen, Unternehmen oder Gemeinden, die gemeinsam erneuerbare Energie erzeugen und verbrauchen. Der Gesetzgeber unterscheidet drei Arten:

TypWas geht?Für wen?
EEG (Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft)Strom, Wärme, Gas aus 100% erneuerbaren QuellenPrivatpersonen, KMU, Gemeinden
BEG (Bürgerenergiegemeinschaft)Strom (auch konventionell)Natürliche Personen, Gemeinden
GEA (Gemeinsame Erzeugungsanlage)Einfach: mehrere Eigentümer einer AnlageAlle

Der entscheidende Vorteil: Der Strom bleibt in der Region. Er muss nicht über weite Strecken transportiert werden, was Netzgebühren spart und das lokale Netz entlastet.

Was haben Sie davon?

1. Günstigere Strompreise

In Energiegemeinschaften liegen die Strompreise typischerweise zwischen 10 und 14 Cent pro kWh (netto). Zum Vergleich: Viele Haushalte zahlen aktuell 25-35 Cent. Der Grund: Die Gemeinschaft kauft oder erzeugt den Strom direkt – ohne Zwischenhändler und mit reduzierten Netzgebühren.

2. Bessere Einspeisevergütung

Wenn Sie eine PV-Anlage haben, erhalten Sie in einer Energiegemeinschaft oft eine höhere Vergütung für Ihren Überschussstrom. Statt fixer Preise orientiert sich die Vergütung häufig am EPEX-Spotpreis – mit einem fairen Aufschlag für die Gemeinschaft.

Beispiel: Bei einem Spotpreis von 8 ct/kWh könnte die Gemeinschaft 9-10 ct/kWh als Einspeisevergütung zahlen – deutlich mehr als die klassische Einspeisung ins Netz.

3. Unabhängigkeit von großen Versorgern

Sie werden zum Prosumer: Produzent und Verbraucher in einem. Die Abhängigkeit von den großen Energiekonzernen sinkt, die Energieversorgung wird regionaler und resilienter.

4. Steuer- und Abgabenvorteile

EEG-Mitglieder profitieren von:

  • Befreiung vom erneuerbaren Förderbeitrag (bis 100.000 kWh/Jahr)
  • Reduzierten Netzgebühren
  • Keiner Elektrizitätssteuer

Wie funktioniert das technisch?

Das klingt komplizierter, als es ist. Voraussetzung ist ein Smart Meter – und das haben die meisten Haushalte mittlerweile.

So läuft es ab:

  1. Erzeugung: Ihre PV-Anlage produziert Strom
  2. Direktverbrauch: Sie nutzen, was Sie selbst brauchen
  3. Sharing: Überschuss fließt in die Gemeinschaft zu anderen Mitgliedern
  4. Abrechnung: Ein Dienstleister erfasst alles über die Smart Meters und rechnet ab

Sie müssen also nicht die Leitung zum Nachbarn verlegen – alles läuft über das öffentliche Netz, aber mit günstigeren Konditionen.

Energiegemeinschaften in Ihrer Region

🏛️ Wien

In Wien gibt es bereits rund 60 Energiegemeinschaften. Der größte Akteur ist EEG Wien, ein Netzwerk das mehrere Gemeinschaften in den verschiedenen Grätzln organisiert.

Aktive EEGs in Wien:

NameBezirkStatus
EEG Wienerberg10. BezirkIn Betrieb
EEG Floridsdorf21. BezirkIn Betrieb
EEG Donaustadt22. BezirkIn Betrieb
EEG Ottakring16. BezirkIm Aufbau
EEG imGrätzlDiverseWächst stetig

Wien Energie bietet Beratung und Unterstützung bei der Gründung an. Viele Gemeinschaften sind offen für neue Mitglieder.

🔗 eegwien.at – hier finden Sie eine aktuelle Liste aller EEGs in Wien

🌾 Niederösterreich

Niederösterreich ist Vorreiter: Über 200 aktive EEGs mit mehr als 10.000 Zählpunkten gibt es bereits. Haupt-Dienstleister ist die Energie Zukunft Niederösterreich GmbH (EZN), eine gemeinsame Gründung von EVN und der Energie- und Umweltagentur.

Beispiele aktiver Gemeinschaften:

NameRegion
EEG Region St. PöltenSt. Pölten und Umgebung
EEG Buckliger WechselstromBucklige Welt
EEG Bad TraunsteinWaldviertel
EEG KirchschlagBucklige Welt
BEG HaunoldsteinMostviertel

EZN unterstützt bei Gründung, Organisation und Abrechnung – ein Full-Service-Angebot für Gemeinden, Unternehmen und Privatpersonen.

🔗 ezn.at – Informationen und Kontakt

🌻 Burgenland

Das Burgenland verfolgt eine ehrgeizige Strategie: Das will 2030 – also 10 Jahre vor dem Bund – klimaneutral sein. Energiegemeinschaften sind ein zentraler Baustein.

Die Burgenland Energie hat ein eigenes Abrechnungssystem entwickelt und unterstützt Gemeinden beim Aufbau. Mit dem „Fanclub Burgenland Energieunabhängig“ sind bereits über 8.000 Mitglieder dabei.

Aktive EEGs im Burgenland:

NameRegionBemerkung
EEG Neusiedl am SeeNeusiedl am Seeeeg-neusiedlamsee.at
EG Region Neusiedl am See eGenBezirk Neusiedl am SeeRaiffeisen Energiegenossenschaft, Parndorf u.a.
EEG NickelsdorfNordburgenlandMit großem PV-Park
EEG NeudörflMattersburg„Strompreisbremse selbst machen“
EEG SüdburgenlandBezirk GüssingStegersbach, Ollersdorf, Olbendorf, Bocksdorf, Burgauberg-Neudauberg
Fanclub Burgenland EnergieunabhängigLandesweitDachorganisation mit 19 regionalen EEGs

🔗 burgenlandenergie.at

Für Unternehmen besonders interessant

Wenn Sie ein Unternehmen mit PV-Anlage und Speicher betreiben, lohnt sich der Blick auf Energiegemeinschaften besonders:

  • Lastgang optimieren: Teilen Sie Überschuss mit anderen Betrieben statt billig ins Netz einzuspeisen
  • Stromkosten senken: Beziehen Sie günstigen Strom aus der Gemeinschaft
  • Nachhaltigkeit kommunizieren: Regionale Energieversorgung als USP
  • Steuerliche Vorteile: Befreiung von der Elektrizitätssteuer

Viele EEGs haben bereits Unternehmen als Mitglieder – von lokalen Handwerksbetrieben bis hin zu größeren Produktionsbetrieben.

Wie werde ich Mitglied?

Der Weg ist einfacher als viele denken:

1. Bestehende Gemeinschaft finden

Schauen Sie auf energiegemeinschaften.gv.at/landkarte oder kontaktieren Sie die regionalen Dienstleister (EZN in NÖ, EEG Wien in Wien).

2. Smart Meter aktivieren

Falls noch nicht geschehen: Beantragen Sie den Zugang zu Ihrem Smart Meter über das Portal Ihres Netzbetreibers (z.B. Netz NÖ, Wiener Netze).

3. Beitritt erklären

Der Dienstleister der Gemeinschaft kümmert sich um die Formalitäten – Sie füllen ein Formular aus, der Rest läuft im Hintergrund.

4. Energie teilen

Sobald alles eingerichtet ist, fließt der Strom – und die Ersparnis.

Oder gleich selbst gründen?

Wenn in Ihrer Nachbarschaft mehrere PV-Anlagen stehen oder Sie mit Ihrem Betrieb, der Gemeinde oder lokalen Vereinen zusammenarbeiten möchten, können Sie auch selbst eine Energiegemeinschaft gründen.

Typische Rechtsform: Verein (einfach und bewährt)

Schritte:

  1. Interessenten finden (Nachbarn, Firma, Gemeinde)
  2. Verein gründen
  3. Erzeugungsanlage klären (bestehende PV oder neue Anlage)
  4. Dienstleister für Abrechnung wählen
  5. Bei der E-Control registrieren
  6. Smart Meter freischalten

Unterstützung:

  • NÖ: EZN berät kostenlos
  • Wien: EEG Wien hilft beim Start
  • Burgenland: Burgenland Energie bietet System und Beratung

Fazit: Warum jetzt handeln?

Energiegemeinschaften sind keine Zukunftsmusik mehr. Sie sind hier, sie wachsen rasant und sie bieten konkrete wirtschaftliche Vorteile für alle Beteiligten.

Wenn Sie eine PV-Anlage haben – mit oder ohne Speicher – sollten Sie prüfen, ob eine Energiegemeinschaft in Ihrer Nähe bereits aktiv ist. Die Einstiegshürden sind niedrig, der Nutzen ist direkt spürbar.

Und wenn Sie noch keine Anlage haben: Eine Energiegemeinschaft kann der perfekte Anlass sein, gemeinsam mit Nachbar:innen oder dem Betrieb in erneuerbare Energie zu investieren.

Nächste Schritte

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